Alexanderlied
Pfaffe Lamprecht
(Straßburger Rezension - um 1170)
[...]
[7] Philippus der nam ein wîb,
di trûch einen vil hêrlîchen lîb.
Ih sagû, wî ir name was:
si hîz di scône Olympias. [110]
Diu was Alexandris mûter.
Di frowe hete einen brûder,
der was ouh Alexander genant,
ze Persien het er daz lant.
Der was ein furste alsô getân, [115]
er ne wolde werden undertân
nie neheineme kuninge;
daz sagih û âne lugene:
er ne wolde ouh ze neheinen zîten
von sturmen noh von strîten [120]
nie neheine wîs geflîhen,
swî ime sîne dinc dâ irgîhen.
Er was ein tûrlîcher degen
und wolde rehter herschefte plegen.
[8] Woldet ir alle nû gedagen, [125]
sô woldih û sagen
von Alexandris geburte,
wî diu gewurte:
sîn mûter frowe Olympias
zestunt dô si sîn genas, [130]
dô wart ein michil nôtfal:
di erde irbibete ubir al.
Der donre wart vil grôz.
Ein starkiz weder nider gôz.
Der himel verwandelôte sih [135]
und di sunne vertunkelôte sih
und hete vil nâh irn schîn verlorn,
dô Alexander wart geborn.
(Nû wil ich iu sagen von Alexanderes geburte
wî si alhî gewurte. )
[9] Nû ne vereischetih ê nie noh sint
alsus geborn nie nehein kint. [140]
Geloubit mir des ih û sagen:
er gedeih baz in drîn tagen
dan alle andere kint,
sô si drîer mânede alt sint.
Und alsime iht des gescach, [145]
daz ime ubile ze hugen was,
sô sach er alse der wolf deit,
alser ubir sînem âze steit.
Daz ih von ime sagen, daz ist wâr:
strûb unde rôt was ime sîn hâr, [150]
nâh eineme vische getân,
den man in den mere sehet gân,
und was ime ze mâzen dicke
und crisp als eines wilden lewen locke.
[...]
[19] Umbe daz und vil manich ander
alsus wart daz kint Alexander
listic, gwaldich unde balt.
Nû allir êrist was er zwelif jâr alt, [255]
alsô stêtich was ime sîn mût,
durh alliz werltlîch gût
ne wolder nie geliegen
und niemanne betriegen,
noh durh lieb noh durh leit [260]
geswachen di wârheit.
Einem sînen meistere daz wol schein:
den stîz er ze tale ubir einen stein,
daz ime sîn hals in zwei brach,
wander ime eine lugene zû sprah. [265]
Nû sprechent manige lugenêre,
daz der sîn vater wêre.
Vil ubile ih des gelouben mach,
wander ime den hals in zwei brach.
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