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Einiges zum deutsch- tschechischen Sprachkontakt
  - seine Auswirkungen im Bereich des Wortschatzes

Das Nebeneinander von dem Deutschen und dem Tschechischen bestand seit Jahrhunderte. Im 9. Jh. war das böhmische Gebiet ein organischer Bestandteil der umfangreichen zusammenhängenden slawischen Siedlungen (Grenzlinie an die deutschen Stämme etwa Regensburg – Erfurt – Magdeburg – Bardowick (Hamburg), vgl. zahlreiche slawische Ortsnamen – Leipzig, Rostock, Berlin...; siehe Anhang: Germanische Ausbreitung, Ausdehnung des deutschen Sprachgebiets). Im Laufe der deutschen Landnahme und Ostsiedlung wurde das Tschechische, das dem Druck dank mehreren Umständen Stand halten konnte, zu einem quasi Keil zwischen dem mittel- und oberdeutschen Sprachraum (vgl. Anhang - Die deutschen Mundarten). Im 13. Jh. wurden nur die vorher unbewohnten Grenzwälder von den deutschen Kolonisten (verschiedener mundartlicher Abstammung) besiedelt.
Dass es in solchen Kontaktzonen kulturelle Interaktionen und damit verbundene (nicht zuletzt) sprachliche Einflüsse zu beobachten sind, ist nicht zu verwundern. Die Einflüsse wurden je nach den Forschungsprämissen in verschiedenen Sphären gesucht und gefunden: Z.B. die feste tschechische Anfangsbetonung (was im Rahmen der slawischen Sprachen ja Ausnahme ist, wurde mit den Betonungsverhältnissen im Deutschen in Verbindung gebracht (vgl. aber die Stammbetonung des Deutschen); ähnlich auch die alttschechische Diphthongierung u.a.m.1 Dagegen wurde z.B. die Herausbildung des analytischen Futurs im Deutschen (werden + Infinitiv) auf den tschechischen Einfluss zurückgeführt.2 Im folgenden werden nur die gegenseitigen Einflüsse in dem am deutlichsten fassbaren und am wenigsten umstrittenen Bereich der Lexik erörtert.
Das Sachregister des Deutschen Wörterbuches3 listet unter dem Stichwort „tschechisch“ folgende Wörter auf: Baude, Halunke, Haubitze, Kalesche, Kolatsche, Kretscham, Petschaft, Pistole, Polka, Prahm, Prahme, Preiselbeere, Quarz, roboten, Scharwenzel, Schmetten, Schöps, Tornister, Trabant, Trappe (in der Bed. Kranichvogel), Tuchent, verquasen, Zeisig, Ziesel, Ziest, Zobel.
Vielleicht ließen sich noch mehrere Wörter finden, aber auch bei dieser Auswahl fällt schon eine gewisse Marginalität der meisten Begriffe auf, entweder sind es historische Begriffe, heute kaum mehr im Gebrauch, oder dann regional gebundene Ausdrücke; kurz Lexeme derer Geltung auf Areale, Gruppensprachen und Zeitabschnitte beschränkt bleibt, wie es bei den Übernahmen aus allen slawischen Sprachen ins Deutsche der Fall ist;4 weitere Beispiele wären ja höchstwahrscheinlich noch deutlicher marginal.
Auch diese kurze Liste lässt aber einige wichtige Aspekte des deutsch tschechischen (bzw. allgemeiner deutsch - slawischen) Sprachkontakts erkennen.
Ein wichtiger Bereich ist die Handelssprache, ein alter Handelsweg führte entlang der Linie Regensburg – Prag – Krakau – Kiew... . Die Bezeichnungen für manche bislang im deutsprachigen Raum unbekannte Artikel sind wohl diesen Weg gegangen.
Als bedeutend erweist sich in diesem Zusammenhang die Kategorie der Pelztiernamen: Aus dem Tschechischen wohl „Ziesel“ entlehnt (tsch. „sysel“); „Zobel“ wohl vermittelt russisch, polnisch, tschechisch (tsch. „sobol“); „Hamster“ vermutlich bereits aus dem Altslawischen (Aslaw. „choměstor’“; tsch. jetzt „křeček“); „Biber“ wohl aus dem Russischen (tsch. „bobr“); „Bilch“ aus dem Slowenischen (tsch. „plch“); „Nerz“ aus dem Sorbischen, bzw. Ukrainischen (tsch. „norek“) usw. Die Angaben zu den Herkunftssprachen in den einzelnen Wörterbüchern unterscheiden sich manchmal, da zur Zeit der frühesten Entlehnungen die slawischen Sprachen noch nicht so stark lautlich differenziert waren, sodass die rein linguistischen Merkmale keine eindeutige Auskunft geben.
Ein weiterer wichtiger Bereich, der teilweise mit dem Fernhandel verwandt ist, wäre das Fuhrwesen, bzw. Verkehr im Allgemeinen; vgl. z. B: „Kalesche“ – kleiner offener Wagen – aus dem Polnischen oder Tschechischen (eigentlich „Räder“), tsch. arch. „kolesa“); „Peitsche“ aus dem Sorbischen oder Tschechischen – Peitsche des Fuhrmannes (dagegen dt. „Geißel“) – (tsch. „bič“); „Prahm“ – flaches Fährschiff – wohl aus dem Tschechischen – („prám“ jetzt Bed. Fähre) u.a.
Ferner sind das vor allem verschiedene Speisebezeichnungen, die ebenfalls aus mehrerer slawischen Sprachen übernommen waren, wobei auch die „eigentliche“ Herkunftssprache nicht immer genau bestimmbar ist. Hierzu z.B. „Schmetten“, mask., österr, (schles.)- Rahm, Schmant (tsch. „smetana“); „Powidel“ - österr., Pflaumenmus (tsch. „povidla“-Pl.); „Kolatsche“ –Kuchen (tsch. „koláč“); Preiselbeere (erst fnhd., verdeutlichende Komposition) wohl aus dem Obersorbischen, nur die einstigen Varianten „Brunschnitze“ u.ä. vielleicht aus dem Tschechischen (jetzt „brusinka“); „Ziest“, Heilpflanze, wohl aus dem Tschechischen (jetzt. „čistec“)... Aus den anderen slawischen Sprachen seien erwähnt z.B. „Quark“ aus einer westslawischen Sprache, vielleicht Polnisch „twaróg“ md. tw > qu, (tsch. „tvaroh“); „Gurke“ aus dem Polnischen „ogórek“, (tsch. „okurka“); „Kren“ Meeretich, aus einer west- bzw. südslawischen Sprache (tsch. „křen“) u.a.m. Diese Wörter sind wohl zunächst kleinräumig in den betreffenden Kontaktgebieten übernommen worden, dann haben sie sich ggf. in wenigen Fällen verbreitet (Quark, Gurke) oder eben meistens nur regionale Varianten geblieben.
Die Datierung dieser Entlehnungen bereitet manchmal Schwierigkeiten, die Erstbelege reichen vom Althochdeutschen bis ins Frühneuhochdeutsche. Die Zeitbestimmung ist also oft nicht weniger problematisch als die Ermittlung der jeweiligen Herkunftssprache; es könnten manchmal auch verschiedene mundartliche Varianten vorhanden sein, jeweils Entlehnungen aus einer anderen Sprache (Preiselbeere...).
Anders verhält es sich mit den Wörtern, die im Zuge der Hussitenkriege entlehnt worden sind. Hier ist die Zeit ziemlich genau bestimmbar (20er – 30er Jahre 15. Jh.), dem Inhalt nach sind diese Entlehnungen ziemlich eng auf das Militärwesen beschränkt. Manche dieser Begriffe blieben zeitlich und räumlich begrenzt, z.B. „Possetke“ militärischer Stützpunkt (der Hussiten), „Lebke“ Helm, „Tesak“ Hiebwaffe, „Huffnitze“ Steinbüchse u.a.5 Einige setzten sich einigermaßen dauerhafter: „Trabant“ urspr. Fuss-Soldat, Mitglied einer persönlichen Wache für Adelige, alttschechisch „drabant“, (neutsch. nur noch. „dráb“ – Büttel) und vor allem dann „Pistole“ aus dem atsch. „píščala“ – urspr. Pfeife, Röhre – übertragen auf die kurze Handfeuerwaffe, entlehnt in mehreren Varianten ins Deutsche (pischaln, pischczaln...) – aus diesen Formen wurde um die Mitte 16. Jh. das frz. „pistole“ gebildet und ins Deutsche wie auch tschechische rückentlehnt. (neutsch. „píšťala“ Pfeife, „pistole“ Pistole).
In der Neuzeit war das Tschechische kaum in der Lage die Nachbarsprachen zu beeinflussen, sein Status verbessert sich dann allmählich seit dem Ende des 18. Jh.
Aus der ersten Hälfte des 19. Jh. stammt „Polka“ (tsch. „polka“ Bed. entspricht „die Polin“), ein Gesellschaftstanz tschechischer Herkunft (zuerst in Prag wohl 1831) den damals von Seiten der Russland unterdrückten Polen gewidmet.
Aus den neuen Entlehnungen ist vielleicht „Roboter“ bemerkenswert (tsch. „robot“) (urspr. Bed. künstlicher Maschinen- Mensch, dann allg. Automat); das tschechische Wort ist ein Neologismus, das zum ersten Mal in Karel Čapeks utopischen Drama R.U.R. (1920) erscheint (als eigentlicher Erfinder gilt allerdings der Bruder des Verfassers Josef Čapek). In der deutschen Übersetzung des Werkes wird dieser Ausdruck mit „Roboter“ wiedergegeben; mit dem -er Suffix der Nomina agentis. Das Ausgangswort im Tschechischen ist „robota“ –„schwere Arbeit, Fronarbeit“ (urverwandt mit dt. „Arbeit“; urslawische Liquiden- Metathese vor Konsonant), bereits im 14. Jh. wurde das Wort „Robot“ (Fem./ Mask.) ins Ostmitteldeutsche sowie ins Oberdeutsche in der Bedeutung „Frondienst“ entlehnt, später auch das Verb „roboten, robaten“. Diese Ausdrücke blieben allerdings landschaftlich begrenzt.
Der Einfluss des Deutschen vor allem auf die westslawischen Sprachen war freilich viel intensiver und in der Regel auch dauerhafter, als es bei den bisher erörterten umgekehrt verlaufenden Einflüssen der Fall war. Bei den meisten kulturellen, sozialen, technischen Neuerungen im europäischen Raum erwiesen sich die slawischen Völker – bis auf erwähnte Ausnahmen – eher als Empfänger und dadurch wurde auch die Tendenz der dazugehörenden lexikalischen Interferenz bestimmt.6
So wurden bei der Slawenmissionierung einige kirchlichen Termini in die betreffenden Sprachen z.T. auch aus dem Deutschen übernommen, wo es sich in der Regel um nicht allzu altes Lehngut (aller Kategorien) aus dem (Griechisch-) Lateinischen handelte. Z. B. dt. Abt, Altar, firmen, Kloster, Mönch (bair. ahd. munich), Psalm (salm)... – tsch. opat, oltář, biřmovati, klášter, mnich, žalm…
Weiter kam es zu zahlreichen Entlehnungen auf dem Gebiet der höfischen und allg. ritterlichen Kultur (da waren wieder manche betreffende deutsche Ausdrücke ursprünglich romanischer Herkunft). Die meisten untergingen mit dem Niedergang des Rittertums und seiner Kultur, wie es auch im Deutschen der Fall war, von den erhaltenen sind manche nun Archaismen, oder historische Termini vgl. mhd. ritter, turnei, panzier, slachte/ geslechte, erbe, lêhen, ors/ ros... – tsch. rytíř, turnaj, pancíř, šlechta (Bed. Adel), erb (Bed. Wappen), léno, oř (archaisch, gehoben) ... .
Mit der sog. deutschen Kolonisation etablieren sich viele Neuerungen auf dem Gebiet des bislang weniger entwickelten städtischen Lebens, des Handwerks und der Stadtverwaltung, der Bauweise und Wohnkultur; ebenfalls erfuhren die sozialen Strukturen des Dorfes und dessen Verwaltung Änderung, genauso wurden einige technologischen Neuigkeiten eingeführt z. b. im Ackerbau, Dorfsiedlungstypen u.ä. Den Innovationen im Denotatsbereich folgten dann auch Neuerungen in der Lexik: mhd. burge(r)meister, rathûs, rinc, krâm, rihter, ziegel, gesimse, spîcher...  - tsch. purkmistr, (rathús, nur atsch.), rynek (Platz), krám, rychtář, cihla, římsa, špýchar …wenn man den äußerst spezifischen Wortschatz der einzelnen des Handwerkerzünfte u.ä. außer Acht lässt (vgl. ebenfalls den Anhang: Die deutsche Ostsiedlung nach Ausweis der Mundarten).
Die Anzahl der deutschen Lehnwörter in der tschechischen Schriftsprache wurde in einer Purismus- Welle (19. – Anf. 20. Jh.) radikal verringert, wobei aber die Lehnübersetzungen und Lehnübertragungen Zuwachs erfuhren. Nicht nur werden die vorhandenen deutschen Lehnwörter mit deren Übersetzungen ersetzt, sondern auch z.B. ganze Nomenklatursysteme mehrerer wissenschaftlichen Disziplinen wurden nach dem Vorbild der damals maßgebenden deutschen Terminologie für das Tschechische adaptiert.
Problematisch ist das Wort „mrakodrap“ (dt. „Wolkenkratzer“); es wird als Übersetzung engl. „skyscraper“ in den tschechischen etymologischen Wörterbüchern angeführt, die Bildungs entspricht allerdings wörtlich dem dt. Ausdruck „Wolken- kratzen“ nicht etwa „Himmel- ...“ wie es auch in anderen in Frage kommenden Sprachen der Fall ist: frz. „gratte-ciel“, russ. „небоскрёб – neboskrjob“. Im 20. Jahrhundert gab es allerdings in der Regel keine günstigen Bedingungen für dauerhafte Entlehnung aus dem Deutschen ins Tschechische. Man könnte also wohl auch parallele Lehnübertragung in beiden Sprachen annehmen, freilich mit dem gleichen Ergebnis.
So gut wie alle Lehnwörter werden dem tschechischen Sprachsystem angepasst, werden nach den tschechischen Flexionsmustern dekliniert bzw. konjugiert, können mit heimischen Morphemen Ableitungen bilden usw.7
Besonders von Bedeutung war die Entlehnung einiger deutschen Modalverben in die westslawischen Sprachen. Hiermit wurden außer der Bereicherung des Wortschatzes auch die syntaktischen Strukturen modifiziert, da sich das ganze System der Modalverben nach dem Deutschen Muster neu geordnet hat (am deutlichsten eben im Tschechischen). Mhd. „müezen“ wurde in alle westslawischen Sprachen übernommen, dazu noch ins Ukrainische und Belorusische, tschechisch – „muset“; mhd. „durfen“ nur ins Tschechische, Ober- und Niedersorbische, nur alttschechisch „drbiti“, allmählich beseitigt.8
Noch eine ganze Reihe von Interferenz- Erscheinungen zwischen dem Deutschen und den slawischen Sprachen könnte erwähnt werden, für die Germanistik im eigentlichen Sinne sind allerdings vor allem die für deutsche Sprachgeschichte relevanten Fälle interessant, die die Auskunft über die älteren Formen oder Bedeutungen der betreffenden Lexeme geben können (vgl. etwa die äußerst wichtigen germanischen Entlehnungen im Finnischen). Auch im Tschechischen gibt es einige interessante Beispiele:9
Einerseits lässt sich manchmal aufgrund der spezifischen Form des betreffenden Lehnwortes die ungefähre Zeit der Übernahme festlegen (z.B. im Falle der lautlichen Verhältnisse, die im Deutschen Veränderung erfuhren, während sie in den Entlehnungen erhalten blieben), andererseits kann die gebende Mundart genauer bestimmt werden (bei den dialektal spezifischen Wörtern bzw. Lautgruppen).
In den wenigen der ältesten Entlehnungen ist das „h“ vor Konsonant, bzw. nach Liquid bewahrt, das im Deutschen weitgehend verschwunden ist: z.B. „chléb“ Brot(laib) < ahd. hleib < germ. *hlaiba; „chvíle“ Weile < ahd. hwîla; „šilhat“ schielen < mhd. schilhen.
Auch die alte Konsonantengruppe „sk“ (>sch) ist in einigen frühen Entlehnungen bezeugt: „skýva“ Brotschnitte – ahd. sciba; „skříň“ Schrank – ahd. scrîni (<lat. scrinium); einige Wörter zeigen eine fakultative Assimilation sk – šk: „škoda“ Schaden – ahd. scado u.a.
Palatale Aussprache des alten „s“ als stimmlos š oder stimmhaft ž illustrieren unter anderen folgende Beispiele: „šalvěj“ Salbei – mhd. salvei (lat. salvia); Stadtname „Míšeň“ – Meißen; „žehnat“ segnen; „žalm“ Psalm, mhd. salm; „židle“ Stuhl, ahd. sidele (<lat. sedile); „žok” - Sack; aus den Ortsnamen z.B. „Rožmberk“ Rosenberg u.a.
Ein altes „u“ vor Nasal+Konsonant (dt. Senkung > o) zeigt sich in „Kunžak“ – Ortsname – „Königsecke“; „Žumberk“ Toponymum – Sonnenberg usw.
Etwas jüngere, immerhin aber noch in der mittelhochdeutschen Zeit erfolgten Entlehnungen zeigen keine Diphthongierung: „lišta“ Leiste < mhd. lîsta; „říše“ Reich, < mhd. rîche < ahd. rîhhi. u.v.a.m.; „houf“ (atsch. húf) Haufen < ahd. hûf (Ähnliche Diphthongierung im Atsch. – Mitteltsch. wie im Deutschen); „pytel“ Sack, Beutel < mhd. biutel.
Mit der fortschreitenden Integration der Entlehnungen sind vereinzelt auch Hybridbildungen entstanden, z.B. „nádhera“ Pracht, Herrlichkeit – mhd. überhêre, nur der Präfix „über“ mit „nad“ übersetzt; ähnlich „bavlna“ – Baumwolle; nicht ganz gesichert ist „vánoce“ – Weihnachten, -nachten entspricht –noce, „vá- wohl eine spezifisch mundartliche Realisiernug des neuen Diphthongs (bair. a für altes ei, Analogie auch bei dem neuen Diphth. mhd. wîh-).
Der Großteil der noch lebendigen Germanismen im Tschechischen weist bairische mundartliche Merkmale auf: vgl. Entrundung: „flétna“ – Flöte; „knedlík“ Knödel; Verdumpfung a>o „foch“ Fach; „jo“ ja; b>p „purkrabí“ Burggraf; „verpánek“ Werkbank; g>k „klandr“ Geländer; „kšeft“ Geschäft (beide auch mit der Synkope) u.a.
Der Status des Lehnguts deutscher Herkunft im Tschechischen muss differenziert betrachtet werden. Die älteren, phonetisch und morphologisch vollkommen assimilierte Lehnwörter fungieren wie Normalausdrücke, haben oft keine alternativen Synonyme und werden ohne weiteres nicht einmal als Lehnwörter erkannt.
Manche neuere Entlehnungen stigmatisiert in den puristischen Bestrebungen sind dagegen nur noch in der Umgangsprache gebräuchlich,10 oft mit pejorativen Konnotationen. Allerdings ihre einstige Rolle als neutraler Ausdrücke übernahmen sehr oft die Lehnübersetzungen bzw. Lehnübertragungen gebildet nach ihrem Muster.

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Literatur:
Bellman, Günter: Slawisch/ Deutsch. In: Sprachgeschichte. Ein Handbuch zur Geschichte der deutschen Sprache und ihrer Erforschung I (HSK 1). Hrsg. v. Werner Besch, Oskar Reichmann, Stefan Sonderegger. Berlin – New York 1984, S. 899.
Boková, Hildegard – Lukášová, Hana: Die Wiederspiegelung älterer deutscher Sprachperioden im tschechischen Wortschatz. In. Septuaginta quinque. Festschrift für Heinz Mettke. Hrsg. v. Jens Haustein – Eckhard Meineke – Norbert Richard Wolf. Heidelberg 2002, S. 39 – 48.
Glück, Helmut: Deutsch als Fremdsprache in Europa vom Mittelalter bis zur Barockzeit. Berlin – New York 2002, S.345 – 364.
Haarmann Harald: Soziologie und Politik der Sprachen Europas. München 1975.
Havránek, Bohuslav: Die sprachlichen Beziehungen zwischen dem Tschechischen und Deutschen. In: Deutsch-tschechische Beziehungen im Bereich der Sprache und Kultur. Hrsg. v. Bohuslav Havránek – Rudolf Fischer. (Abhandlungen der Sächs. Akad. d. Wiss., Philol.-hist. Kl. Bd. 57, H.2). 1965.
Holub, Josef – Lyer, Stanislav: Stručný etymologický slovník jazyka českého se zvláštním zřetelem k slovům kulturním a cizím (Kurzes etymologisches Wörterbuch der tschechischen Sprache mit besonderer Berücksichtigung der Kulturwörter und Fremdwörter). Praha 1978.
Kluge, Friedrich: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. (Hrsg. v. Elmar Seebold) 23. Aufl. Berlin – New York 1999.
König, Werner: dtv-Atlas Deutsche Sprache. München 1998.
Lamprecht, Arnošt: Zur Frage der tschechisch- deutschen Sprachkonvergenz. In: Deutsch-tschechische Beziehungen im Bereich der Sprache und Kultur. Hrsg. v. Bohuslav Havránek – Rudolf Fischer. (Abhandlungen der Sächs. Akad. d. Wiss., Philol.-hist. Kl. Bd. 57, H.2). 1965.
Machek, Václav: Etymologický slovník jazyka českého (Etymologisches Wörterbuch der tschechischen Sprache). Praha 1997.
Paul, Herman: Deutsches Wörterbuch. Bedeutungsgeschichte und Aufbau unseres Wortschatzes. Hrsg. v. Helmut Henne u.a. 10. Aufl. Tübingen 2002. S. 28.
Pfeifer, Wolfgang u.a.: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. München 2000.
Porák, Jaroslav: Modalverben im Tschechischen und Deutschen. In: Deutsch-tschechische Beziehungen im Bereich der Sprache und Kultur II. Hrsg. v. Bohuslav Havránek – Rudolf Fischer. (Abhandlungen der Sächs. Akad. d. Wiss., Philol.-hist. Kl. Bd. 59, H.2). 1968, S. 97 – 101.
Skála, Emil: Deutsche Lehnwörter in der heutigen tschechischen Umgangsprache. In: Deutsch-tschechische Beziehungen im Bereich der Sprache und Kultur II. Hrsg. v. Bohuslav Havránek – Rudolf Fischer. (Abhandlungen der Sächs. Akad. d. Wiss., Philol.-hist. Kl. Bd. 59, H.2) 1968, S. 127 – 141.
Trost, Pavel: Deutsch- tschechische Zweisprachigkeit. In: Deutsch-tschechische Beziehungen im Bereich der Sprache und Kultur. Hrsg. v. Bohuslav Havránek – Rudolf Fischer. (Abhandlungen der Sächs. Akad. d. Wiss., Philol.-hist. Kl. Bd. 57, H.2). 1965.


Anmerkungen
1 hierzu vgl. Lamprecht, Arnošt: Zur Frage der tschechisch- deutschen Sprachkonvergenz. In: Deutsch-tschechische Beziehungen im Bereich der Sprache und Kultur. Hrsg. v. Bohuslav Havránek – Rudolf Fischer. (Abhandlungen der Sächs. Akad. d. Wiss., Philol.-hist. Kl. Bd. 57, H.2). 1965.
2 Leiss, Elisabeth: Zur Entstehung des neuhochdeutschen analytischen Futurs. In: Sprachwissenschaft 10. 1985, S. 250-273.  
3 Paul, Herman: Deutsches Wörterbuch. Bedeutungsgeschichte und Aufbau unseres Wortschatzes. Hrsg. v. Helmut Henne u.a. 10. Aufl. Tübingen 2002. S. 28.
4 Bellman, Günter: Slawisch/ Deutsch. In: Sprachgeschichte. Ein Handbuch zur Geschichte der deutschen Sprache und ihrer Erforschung I (HSK 1). Hrsg. v. Werner Besch, Oskar Reichmann, Stefan Sonderegger. Berlin – New York 1984, S. 899.
5 Bellmann, G.: o.c. S. 900.
6 Havránek, Bohuslav: Die sprachlichen Beziehungen zwischen dem Tschechischen und Deutschen. In: Deutsch-tschechische Beziehungen im Bereich der Sprache und Kultur. Hrsg. v. Bohuslav Havránek – Rudolf Fischer. (Abhandlungen der Sächs. Akad. d. Wiss., Philol.-hist. Kl. Bd. 57, H.2). 1965, S. 16f. Hier auch weitere Beispiele.
7 vgl. Havránek, B.: o.c. S. 18.
8 Porák, Jaroslav: Modalverben im Tschechischen und Deutschen. In: Deutsch-tschechische Beziehungen im Bereich der Sprache und Kultur II. Hrsg. v. Bohuslav Havránek – Rudolf Fischer. (Abhandlungen der Sächs. Akad. d. Wiss., Philol.-hist. Kl. Bd. 59, H.2). 1968, S. 97 – 101..
9 Boková, Hildegard – Lukášová, Hana: Die Wiederspiegelung älterer deutscher Sprachperioden im tschechischen Wortschatz. In. Septuaginta quinque. Festschrift für Heinz Mettke. Hrsg. v. Jens Haustein – Eckhard Meineke – Norbert Richard Wolf. Heidelberg 2002, S. 39 – 48.
10 Skála, Emil: Deutsche Lehnwörter in der heutigen tschechischen Umgangsprache. In: Deutsch-tschechische Beziehungen im Bereich der Sprache und Kultur II. Hrsg. v. Bohuslav Havránek – Rudolf Fischer. (Abhandlungen der Sächs. Akad. d. Wiss., Philol.-hist. Kl. Bd. 59, H.2) 1968, S. 127 – 141.