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Einiges zum Lehngut lateinischen Ursprungs im Deutschen

Heute noch sind im Sprachsystem des Deutschen die Spuren erkennbar, die von dem seit je andauernden Kontakten zwischen verschiedenen Kulturen zeugen. Als ein besonders anschauliches Beispiel kann eine besonders reiche Gruppe von ursprünglich lateinischen Wörter in deutscher Lexik genannt werden. Hier besteht außerdem der Vorteil, dass man auch ziemlich lange Entwicklung von diesem Bestandteil des deutschen Wortschatzes betrachten kann, da die ersten Entlehnungen noch in die germanische Epoche reichen, während andere mehr oder weniger noch heute übernommen werden.

Formen der fremdsprachlichen Beeinflussung des Wortschatzes
Die einfachste Einteilung hat einen im Grunde genommen formalen Charakter: Durch die Übernahme des lexikalischen Materials von anderen Sprache entsteht das Fremdwort (falls die ursprüngliche Lautgestalt unverändert bleibt), oder das Lehnwort (bei dem die lautliche Seite etwas modifiziert wird); das Verfahren, bei dem nach dem Vorbild eines fremden Ausdruckes ein Wort von dem eigensprachlichen Material entsteht, nennt man dann die Lehnprägung. Genaue Klassifikation ist noch komplizierter, vgl. die Tabelle:1

Klassifikation des Lehngutes (urspr. nach Werner Betz; König, Werner: dtv-Atlas Deutsche Sprache. München 1998. S. 71-72.
Lehngut
Wortentlehnung                                                    Lehnprägung
FremdwortLehnwort                                    LehnbildungLehnbedeutnug
LehnformungLehnschöpfung
LehnübersetzungLehnübertragung

Das angeführte Schema soll zeigen, welche Möglichkeiten im Sprachsystem überhaupt bestehen, um die relevanten Anregungen zu „verarbeiten“ und zu berücksichtigen. Die außersprachlichen Bedingungen waren in der germanischen Zeit, aber teilweise auch im frühen Mittelalter und später, in der Atmosphäre der tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen, für Neuerungen (nicht nur in der Lexik, oder Sprache überhaupt) besonders günstig.  
Die Entlehnungen spiegeln „Kriege und historisches Geschehen, Ideologien, Moderichtungen, Kulturwandel, wissenschaftliche und technische Entwicklung“.2 Wir können unter Umständen von den bestimmten sprachlichen Phänomenen auf Tendenzen der gesellschaftlichen und historischen Entwicklung schließen.
Nicht außerhalb des Kontextes der kulturellen und politischen Verhältnisse sind besonders starke Einflüsse des Lateinischen auf die deutsche Sprache (bzw. noch auf das Germanische) in folgenden Epochen zu beobachten:
- die Römerzeit 50 v.Chr. – 5. Jh. n.Chr.
- die Christianisierung fährt fließend fort von 5. Jh. – 9. Jh.
- das Zeitalter des Humanismus Ende 15. Jh. – 16. Jh.
- und schließlich im 19. – 20. Jh., was vor allem die sog. Internationalismen betrifft, die oft von lateinischen bzw. griechischen Stämmen abgeleitet sind.

Der römische Einfluss (nicht nur auf die Sprache) war vor allem von dem unvergleichbar höheren Zivilisationsgrad der Mittelmeergebiete bestimmt. In dieser Zeit wurden mehr als fünfhundert Wörter übernommen, die im deutschen Wortschatz vollkommen organisch assimiliert sind. Dieses hängt auch mit der Tatsache zusammen, dass sie auch die 2. Lautverschiebung mitgemacht haben, falls es ihr Lautgestalt erlaubte (vgl. z.B. lat. porta > dt. Pforte u.a.m.). Von der Zeitspanne, in der diese Entlehnungen stattfanden zeugt auch die noch klassische Aussprache des lateinischen Graphems „c“ als [k]3, auf der sie basieren (z.B. cellarium > Keller); die mittelalterliche Aussprache war in diesem Fall [c], wie es z.B. etwas spätere Entlehnung lat. cella > Zelle illustriert.
Besonders häufige Lehnwörter in bestimmten semantischen Feldern zeigen dann auf die Phänomene, die die Germanen erst bei den Römern kennenlernten und für die sie daher keine eigenen Bezeichnungen hatten. Besonders hervorzuheben sind:4
Ausdrücke von Krieg- und Militärwesen, wurden von Germanen während ihres langen Dienstes in der römischen Armee zunächst als Söldner, später als Foederati kennen gelernt. Aus dieser Gruppe wären z.B. folgende zu nennen: Kampf (< campus, Feld) oder Pfeil (<pilum).
Ferner war das die römische Verwaltung, mit der die in den Randgebieten des Imperiums allmählich ankommenden Germanen in Berührung kamen. Vgl. z.B. Zoll (< tolonium), Kerker (< carcer).
Auch viele Bezeichnungen für die bisher unbekannten Lebensmittel, oder auch Gegenstände des täglichen Gebrauchs sind aus dem Lateinischen übernommen: Pfeffer (< piper), Kümmel (< cuminum), Senf (< sinapis), Käse (< caseus), Pilz (< boletus); Tisch (< discus), Spiegel (< speculum), Küche (< coquina), Schüssel (< scutella), Pfanne (< vulgärlateinisch: panna) usw.
Die bisher höchstens in hölzernen Häusern wohnenden Germanen lernten auch die Gebäude aus Stein oder Ziegel; die betreffende Terminologie ist daher auch sehr stark von dem Lateinischen beeinflusst: Ziegel (< tegula), Mauer (< murus), Pfeiler (< pilarium), Keller (< cellarium), Fenster (< fenestra), Mühle (< molina)... .
Weiter sind es einige Begriffe von dem Verkehr und Handel, die ebenso eine Neuigkeit für die Germanen darstellten: Straße (< via strata; gepflasterter Weg), Markt (< mercatus), Kaufmann (< caupo), Kiste (< cista), Korb, (< corbis), Sack (< saccus), Esel (< asinus), Pferd (< paraveredus; Packpferd), Münze (< moneta), Pfund (< pondo), u.a.m.
Viele Ausdrücke von dem Gartenbau, bzw. Weinbau sind ebenfalls lateinischer Herkunft: Frucht (< fructus), Kirsche (< ceresia), Pflaume (< prunum), Pfirsich (< persica), Kohl (< caulis), impfen (< imputare), Kelter (< calcatura), Kelch (< calix), Essig (< acetum), Wein (< vinum).
Nach der Christianisierung wurden auch einige neue Begriffe aus dem religiösen und theologischen Wortschatz eingeführt (die übrigen kamen erst in der althochdeutschen Zeit hinzu). z.B. Münster (< monasterium), Mönch (< monachus), spenden (< expendere), segnen (< signare), Bischof (< episcopus, urspr. griech.), Pfaffe (< papa), Engel (< angelus, griech.), Teufel (< diabolus, griech.) u.a.m.  
Außerdem stammen auch einige deutsche Städtenamen bereits aus der römischen Zeit: Köln (< Colonia Agrippina), Trier (< Augusta Treverorum), Koblenz (< Confluentes; Zusammenfluss), Augsburg (< Augusta Vindelicum), Passau (< Castra Batava).
Etwa im 3. – 5. Jahrhundert übernahmen die Germanen unter römischen und griechischen Einfluss auch die Zeitteilung in die Siebentagewoche (diese Auffassung ist stammt ursprünglich aus dem Orient). Die germanischen Namen der Wochentage sind im Grunde genommen die Lehnübersetzungen aus dem Lateinischen: (In meisten germanischen Sprachen sind diese Bezeichnungen mehr oder weniger ähnlich)
Solis dies: Sonntag (ahd. sunnuntag)
Lunae dies: Montag (ahd. manatag)
Martis dies: Dienstag (ahd. ziostag)
Mercurii dies: Mittwoch (Übertragung nach kirchenlateinischem: media hebdomas; z.B. im Englischen Wednesday- Wodanstag)
Jovis dies: Donnerstag (ahd. donarestag)
Veneris dies: Freitag (ahd. friatag)
Saturni dies: Samstag (aus urspr. hebr. Schabath – Ruhetag; im Englischen dagegen Saturaday)
Diese germanischen Benennungen stellen Wort- für Wort Übersetzungen dar: „Tag“ anstatt „dies“ verbunden jeweils mit dem Namen des betreffenden Gottes, allerdings aus dem germanischen Pantheon.

Im frühen Mittelalter, bereits in der Sprachperiode des Althochdeutschen wurde fortwährend in der amtlichen Kommunikation, wie auch in den Gelehrtenkreisen ausschließlich Latein benutzt, bis 8. Jh. ist das Deutsche wahrscheinlich nur in der gesprochenen Sprache lebendig. Um die vollkommene Christianisierung des Reiches durchsetzen zu können, war aber die Volkssprache nötig. Die althochdeutschen Schriftdenkmäler sind vorwiegend in den Zentren der Missionierung – den Klöstern entstanden. Das Klosterwesen und kirchliche Verwaltung überhaupt waren auch für die Literaturpflege in diesen Zeiten aber de facto bis Hochmittelalter maßgebend, so dass es auch für die Sprach- und Literaturwissenschaft wichtig ist, diese Strukturen in Betracht zu ziehen.5

Die christliche Gedankenwelt musste den oftmals immer noch so gut wie heidnischen Germanen kompliziert vermittelt werden. Viele neue Begriffe mussten eingeführt werden, ob durch Umdeutung, Neubildung oder Übernahme. Immerhin basierten diese Schöpfungen meistens auf lateinischen (bzw., seltener, griechischen) Vorbildern. So wurden die ursprünglichen Bedeutungen einiger germanischen Wörtern von christlichen Inhalten ersetzt: z.B. Hölle, oder Gott. Außerdem entstanden einige Neubildungen, jeweils aufgrund des Lateinischen, wie z.B. Demut (für humilitas) oder Heiligtum (für sanctuarium). Vor allem kommen aber auch in dieser Periode direkte Entlehnungen vor. Diese Wörter konnten natürlich die 2. Lautverschiebung nicht mehr mitmachen, so dass sie in ihren Formen den lateinischen Vorbildern ähnlicher sind und als Lehnwörter eher wahrgenommen werden, als es bei den ältesten Entlehnungen der Fall war. Vor allem handelt es sich um die Bezeichnungen der kirchlichen Hierarchie und kirchlichen Einrichtungen: Papst (< papa), Kaplan (< capellanus), Kloster (< mittellateinisch: clostrum), Zelle (< cella), Altar (< altare), Orgel (< organum; Pl. organa), Pilger (< peregrinus), Kreuz (< crux, Akk. crucem), predigen (< predicare) usw.
Mit dem Klosterwesen waren jedoch auch etliche mehr oder weniger säkulare Angelegenheiten verbunden, wie z.B. Schriftkultur, die bis zu hohem Mittelalter nahezu ausschließlich nur im Rahmen der kirchlichen Sphäre bleibt. Aus diesem Bereich sind z.B. folgende Ausdrücke lateinischer Herkunft: schreiben (< scribere), dichten (< dictare), Tinte (< tincta aqua; gefärbtes Wasser), Pergament (< mittellateinisch: pergamentum), Tafel (< tabula), Griffel (< graphium, auch in Anlehnung auf das ahd. grifan – greifen), weiter auch Kanzler (< cancellarius), Kanzlei (< cancelli), aus anderen Bereichen z.B. Mantel (< mantellum), Teppich (< tapetum). Auch zahlreiche Bezeichnungen für nicht einheimische Pflanzen, die zuerst wohl in den Klostergärten angebaut wurden, sind Lehnwörter aus dem Lateinischen: Petersilie (< mittellateinisch: petrosilium), Zwiebel (< mittellateinisch cipolla), Salbei (< salvia), Rose (< rosa), Lilie (< lilia), Veilchen (< viola) usw.
Neben den einzelnen Begriffen wurden manchmal sogar die ganzen Wortbildungssuffixe  übernommen z.B. ahd. –ari < lat. –arius (mulinari < molinarius, Müller).6
In der mittelhochdeutschen Epoche währten die Einflüsse des Lateinischen zwar fort, wurden aber zeitweilig abgeschwächt und z.B. von dem Französischen zum Teil ersetzt. Erst dann mit dem Humanismus und seinem erneuten Interesse für die klassische Antike verstärkte sich der Einfluss des Lateinischen auf die Nationalsprachen. Wie auch das Interesse der Humanisten und Reformatoren unter anderen auch der Aufwertung der Volkssprachen galt, blieb Latein eine Sprache der Gelehrten und in gewisser Weise auch ein Vorbild. So wurde auch der deutsche Wortschatz von vielen Begriffen lateinischer Herkunft bereichert, die teilweise auch fast synonyme Bedeutung zu bestehenden Wörtern haben können. Zum Teil wurde die Lexik auch mit den Termini der sich rasch entwickelnden Wissenschaften7 bereichert. Im Humanismus wurde auch die klassische griechische Kultur wieder wiederaufgenommen, so dass sich diese Einwirkungen auf das Deutsche auch beweisen lassen, oft jedoch mit der lateinischen Vermittlung. Diese Ausdrücke sind so gut wie unverändert aus der Ausgangssprache übernommen und ihre Herkunft ist in der Regel ohne Schwierigkeiten festzustellen. Von der großen Menge von Wörter seien folgende genannt:8 aus der Verwaltungssprache: kopieren, Magistrat, Registratur, Archiv (urspr. griech.); aus der Rechtssprache: Advokat, Arrest, Testament...; aus der Medizin: Nerv, Patient, Rezept...; aus der Mathematik: multiplizieren, dividieren, addieren, substrahieren, Quotient, Quadrat, plus, Produkt...; Grammatik: Konjugation, Deklination, Konsonant...; aus dem Bereich der Universität9: Dissertation, immatrikulieren, Student, Kommilitone, Professor, Examen, Rektor, Dekan, Doktor, Examen, Fakultät, Magister, Promotion ...; und aus der Druckersprache: Fraktur, Makulatur, Korrektur, Format... . 
Die Nachwirkungen des Lateinischen in der Neuzeit und Gegenwart sind meist im Rahmen der sog. Internationalismen10 zu sehen. Ins Deutsche kommen solche Begriffe oft vermittelt aus anderen Sprachen; z.B.: Kommunismus (< communis – gemeinsam, aus dem Französischen), von den neuesten Ausdrücken: optimieren (< optimus – der beste), Super- Ego (< über + ich) u.a.m.

Einige Beispiele der lautlichen Veränderungen der lateinischen Lehnwörter im deutschen:
Die älteste Schicht
Die 2. (althochdeutsche) Lautverschiebung:
porta > Pforte (Anlaut); campus (=Feld) > Kampf (nach l,r,m,n)
papa > Pfaffe; *pipa > ahd. Phiffa > Pfeife   (Inlaut und Auslaut)
tegula > Ziegel (Anlaut)
catinus > Kessel (Inlaut)
caseus > ahd. chasi (=Käse; Anlaut)
cyrica > ahd. chirihha (=Kirche, Inlaut)
Hebung e > i
census > Zins; securus > sicher
Senkung i >e
bicarium > Becher; pix, Akk. picem > Pech
Primärumlaut
asinus > ahd. esil (Esel); caseus > ahd. chasi >> Käse; angelus > ahd. angil >>Engel
Die althochdeutsche Monophtongierung
caulis > ahd. kol (Kohl)
Die althochdeutsche Diphtongierung
speculum > ahd. spiagal (Spiegel); tegula > ahd. ziagal (Ziegel)
Abschwächung der Nebensilben
papa > ahd.phaffo >>Pfaffe; angelus > ahd. angil >>Engel
*pipa > ahd. phiffa > mhd. pfîfe > nhd. Pfeife
gryphus > ahd. griffo > mhd. grîfe > nhd. Greif
vinum > ahd. uuin > mhd. wîn > nhd. Wein
Die frühneuhochdeutsche Monophtongierung
febris > ahd. fiabar > mhd. fieber > nhd. Fieber
tegula > ahd. ziagal > mhd. ziegel > nhd. Ziegel
Apokope
gryphus > ahd. griffo > mhd. grife > nhd. Greif
Synkope
(monachus)-municus > ahd. munih > mhd. münech > nhd.Mönch
Auslautverhärtung
pondo > ahd. phunt > mhd. pfunt > nhd. Pfund
Die ältesten Entlehnungen haben so gut wie alle Prozesse mitgemacht, wie die ursprünglich germanischen Wörter. Viele von ihnen illustrieren sogar mehrere Veränderungen zugleich. Sie sind in den deutschen Wortschatz vollkommen integriert.
Die jüngeren Entlehnungen haben, nachdem sie übernommen worden sind, auch alle jeweils aktuelle Veränderungen mitgemacht.
Abschwächung der Nebensilben
capella > ahd. kapella > mhd. kapelle > nhd. Kapelle
clusa > ahd. clusa > mhd. clûse > nhd.Klause
Synkope
abbas (Gen. abbatis) > ahd. abbat > mhd. abbet > nhd. Abt
Apokope
tabula > ahd. tabola/ tavola > mhd. tavel(e) > nhd. Tafel
Die „frühneuhochdeutsche Diphtongierung“
scribere > ahd. scriban > mhd. schrîben > nhd. schreiben 
Die frühneuhochdeutsche Monophtongierung
[littera] brevis (=kurzes Schreiben) > ahd. briaf > mhd. brief > nhd. Brief
Dissimilation
peregrinus > ahd. piligrim > mhd. pilegrim > nhd. Pilger
Assimilation
damnare > (vir)damnon > mhd. (ver)damnen > nhd. verdammen

Auch die jüngeren Lehnwörter aus der ahd. oder mhd. Periode können in der Regel mehrere Phänomene der Sprachentwicklung illustrieren von dem Althochdeutschen (bzw. Mittelhochdeutschen) bis zur Sprache der Neuzeit. Seit Humanismus, wann die nächste Welle der lateinischen Lehnwörter ins Deutsche kam, haben keine insofern durchgreifenden Veränderungen des deutschen phonetischen Systems stattgefunden, die mit den eben erwähnten vergleichbar wären; diese neuen Ausdrucke behielten nahezu ihre ursprüngliche Form (natürlich mit der Ausnahme z.B. von den Flexionsendungen, die angepasst wurden). Außerdem bezeichnen diese keine grundsätzlich neuen Erscheinungen, sondern sie wurden eher von den Humanisten bereits mit der Absicht eingeführt, den Wortschatz durch Synonymen zu bereichern, bzw. feine terminologischen Differenzierungen zu ermöglichen. Deswegen sind diese Wörter in der alltäglichen Kommunikation meistens nicht unentbehrlich und sind oft als Kennzeichen einer äußerst gehobenen bis elitären Sprache konnotiert.
Ähnliches gilt auch für moderne Internationalismen auf der lateinischen bzw. griechischen Grundlage. Diese sind aber in der fachlichen Kommunikation wichtig, weil z.B. die Terminologie vieler Naturwissenschaften auf den ursprünglich lateinischen Begriffen basiert.   
Dieser kleine Streifzug durch die Jahrhunderte deutscher Sprachgeschichte, gesehen durch das Prisma der verschiedenartigen Beeinflussung des deutschen Wortschatzes von Seiten des Lateinischen, kann keineswegs auch nur ungefähr Ausführlichkeit beanspruchen. Es sollte mindestens gezeigt werden, dass bei der Komplexität und Verflochtenheit der einzigen Bestandteile des Sprachsystems auch solches, scheinbar nur am Rande stehendes, isoliertes Problem auch ziemlich interessante und bedeutsame Zusammenhänge aufweisen kann. Anhand der lateinischen Lehnwörter in der deutschen Lexik kann man die seit je fortwährenden Kontakte der beiden Kulturkreise beobachten, und zwar in ihrer Dynamik und Bedingtheit durch allgemeine gesellschaftliche und kulturhistorische Faktoren.

Literatur:
  Kollektiv: Duden 7. Das Herkunftswörterbuch. Etymologie der deutschen Sprache. Die Geschichte der deutschen Wörter und der Fremdwörter von ihrem Ursprung bis zur Gegenwart. 2. Auflage von Günther Drosdowski. Mannheim- Leipzig- Wien- Zürich. 1989.
Frings, Theodor: Grundlegung einer Geschichte der deutschen Sprache. Halle 1950.
Hennig, Beate: Kleines mittelhochdeutsches Wörterbuch. Tübingen 1993.
Köbler, Gerhard: Taschenwörterbuch des althochdeutschen Sprachschatzes. Paderborn 1994
Kühnel, Jürgen: Grundkurs historische Linguistik. Materialien zur Einführung in die Germanisch deutsche Sprachgeschichte. Göppingen 1978.
Moser, Hugo: Annalen der deutschen Sprache. Stuttgart 1961.
Munske, Horst Haider (Hrsg.): Eurolatein: das griechische und lateinische Erbe in den europäischen Sprachen. Tübingen 1996.
Schildt, Joachim: Abriß der Geschichte der deutschen Sprache. Zum Verhältnis von Gesellschaft- und Sprachgeschichte. Berlin 1976.
Schildt, Joachim: Kurze Geschichte der deutschen Sprache. Berlin 1991.
Schmidt, Wilhelm: Geschichte der deutschen Sprache. Ein Lehrbuch für das germanistische Studium. 6. Aufl. Stuttgart, Leipzig 1993.
Sonderegger, Stefan: Althochdeutsche Sprache und Literatur. Berlin – New York 1987.
Stedje, Astrid: Deutsche Sprache gestern und heute. München 1989.


1 Köbler, Gerhard: Taschenwörterbuch des althochdeutschen Sprachschatzes. Paderborn 1994. S. L – LI. Vgl. auch Stedje, Astrid: Deutsche Sprache gestern und heute. München 1989. S. 23 – 25. Das Kapitel „Lehnprägung“ usw. befindet sich mit althochdeutschen Beispielen auch in Sonderegger, Stephan: Althochdeutsche Sprache und Literatur. Berlin – New York 1987. S. 260.
2 Stedje, A..: o.c. S. 25.
3 Auch vor den vorderen Vokalen „e“ und „i“.
4 Folgende Beispiele sind entnommen vor allem aus: Kühnel, Jürgen: Grundkurs historische Linguistik. Materialien zur Einführung in die Germanisch deutsche Sprachgeschichte. Göppingen 1978. S.15 – 17. und Stedje, A.. o.c. S. 55 – 56, 68 – 70, 126 – 133.; Schmidt, W.: o.c. S. 59 – 61, 78 – 79, 129 – 130. Teilweise auch aus Schildt, Joachim: Kurze Geschichte der deutschen Sprache. Berlin 1991.Bes. S.27 – 28.
5 Vgl. Frings,Th.: o.c. S. 8, Sonderegger, S.: o.c. S. 49 – 51.
6 Vgl. Moser, Hugo: Annalen der deutschen Sprache von den Anfängen bis zur Gegenwart. Stuttgart 1961. S. 16.
7 Zu dieser Problematik vgl. Habermann, Mechtild: Latinismen in deutschen Fachtexten der Frühen Neuzeit. In: Munske, Horst Haider – Kirkness, Alan (Hrsg.): Eurolatein. Das griechische und lateinische Erbe in den europäischen Sprachen. Tübingen 1996. S.12 – 46.
8 Stedje, A..: o.c. S.132.
9 Vgl. hierzu Schiewe, Jürgen: Kontinuität und Wandel des akademischen und wissenschaftlichen Wortschatzes im Übergang der Universitäten vom Lateinischen zum Deutschen. In: Munske, Horst Haider – Kirkness, Alan (Hrsg.): Eurolatein. Das griechische und lateinische Erbe in den europäischen Sprachen. Tübingen 1996. S. 47 – 64.
10 Vgl. hierzu auch Munske, Horst Haider: Eurolatein im Deutschen: Überlegungen und Beobachtungen. In: Munske, Horst Haider – Kirkness, Alan (Hrsg.): Eurolatein. Das griechische und lateinische Erbe in den europäischen Sprachen. Tübingen 1996. S. 82 – 105.