Heinrich von Morungen

I. Sî ist ze allen êren
1 Sî ist ze allen êren ein wîp wol erkant,
schoener gebaerde, mit zühten gemeit,
sô daz ir lop in dem rîche umbe get.
alse der mân wol verre über lant
5 liuhtet des nahtes wol lieht unde breit,
sô daz sîn schîn al die welt umbevet,
Als ist mit güete umbevangen diu schône.
des man ir jet,
sî ist aller wîbe ein krône.

2 Diz lop beginnet vil vrouwen versmân,
daz ich die mîne vür alle andriu wîp
hân zeiner krône gesetzet sô ho,
unde ich der deheine uz genomen hân.
5 des ist vil luter vor valsche ir der lîp,
smal wol ze mâze, vil fier unde vrô.
Des muoz ich in ir genâden belîben,
gebiutet sî sô,
mîn liebest vor allen wîben.

3 Got lâze sî mir vîl lange gesunt,
die ich an wîplîcher staete noch ie vant,
sît sî mîn lîp ze einer vrowen erkôs.
wol ir vil süezer - vil rôt ist ir der munt,
5 ir zene wîze ebene - verre bekant,
durch die ich gar alle unstaete verkôs,
dô man sî lobte als reine unde wîse,
senfte unde lôs
dar umbe ich sî noch prîse.

4 Ir tugent reine ist der sunnen gelîch,
diu trüebiu wolken tuot liehte gevar,
swenne in dem meien ir schîn ist sô klâr.
des wirde ich staeter vröide vil rich,
5 daz überliuhtet ir lop alsô gar
wîp unde vrowen die besten vür war,
Die man benennet in tiuschem lande.
verre unde nâr
sô ist sî ez, diu baz erkande.


III. Het ich tugende niht sô vil
1 Het ich tugende niht sô vil von ir vernomen
und ir schoene niht sô vil gesehen,
wie waere sî mir danne alsô ze herzen komen?
ich muoz iemer dem gelîche spehen,
5 Als der mâne tuot, der sînen schîn
von des sunnen schîn enpfât,
als kumt mir dicke
ir wol liehten ougen blicke
in daz herze mîn, dâ sî vor mir gât.

2 {Gent} ir wol liehten ougen in daz herze mîn,
sô kumt mir diu nôt, daz ich muoz klagen.
solde aber ieman an im selben schuldic sîn,
sô het ich mich selben selbe erslagen,
5 dô ichs in mîn herze nam
und ich sî vil gerne sach
- noch gerner danne ich solde -,
und ich des niht mîden wolde
in hôhte ir lop, swâ manz vor mir sprach.

3 Mîme kinde wil ich erben dise nôt
und diu klagenden leit, diu ich hân von ir.
waenet sî danne ledic sîn, ob ich bin tôt,
ich lâze einen trôst noch hinder mir,
5 Daz noch schoene werde mîn sun,
daz er wunder an ir bege,
alsô daz er mich reche
und ir herze gar zerbreche,
so, sîn sô rehte schoenen se.


IV. In sô hôher swebender wunne
1 In sô hôher swebender wunne
sô gestuont mîn herze ane vröiden nie.
ich var, als ich vliegen kunne,
mit gedanken iemer umbe sie
5 sît daz mich ir trôst enpfie
der mir durch die sele mîn
mitten in daz herze gie.

2 Swaz ich wunneclîches schouwe
daz spile gegen der wunne, die ich hân.
luft und erde, walt und ouwe
suln die zît der vröide mîn enpfân.
5 Mir ist komen ein hügender wân
und ein wunneclîcher trôst,
des mîn muot sol hôhe stân.

3 Wol dem wunneclîchen maere,
daz sô suoze durch mîn ôre erklanc
und der sanfte tuonder swaere,
diu mit vröiden in mîn herze sanc
5 Dâ von mir ein wunne entspranc,
diu vor liebe alsam ein tou
mir uz von den ougen dranc.

4 Saelic sî diu süeze stunde,
saelic sî diu zît, der werde tac,
dô daz wort gie von ir munde,
daz dem herzen mîn sô nahen lac,
5 Daz mîn lîp von vröide erschrac,
und enweiz von liebe joch,
waz ich von ir sprechen mac.




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